Seit über 15 Jahre bin ich Webentwickler und -Designer. Zusätzlich habe ich noch eine Ausbildung zum Usability-Consultant in Berlin absolviert.
Mit diesem Hintergrund schildere ich die schlimmsten Fehler, die im Prozess der Webseitenerstellung passieren können:

1. Ohne Ziel

Wer ohne wirkliches Ziel eine Website erstellt oder erstellen möchte, kommt nirgendwo an. Diese Person oder Firma kann auch gleich nur eine Visitenkarte im Web hinterlegen. Ist dann auch erheblich kostengünstiger.

2. Ein Ziel, aber kein Geld

Sie möchten eine eigene Website, haben aber keine finanzielle Mittel? Ihr Ziel ist es, Dinge zu verkaufen, eine Dienstleistung an den Mann zu bringen oder für Ihre Firma zu werben? Aber sie haben dafür kein Geld? Wie soll das funktionieren?
Sie haben nur eine Möglichkeit – machen Sie es selbst.
Leider – und das kann ich aus eigener Erfahrung als Dozent sagen – hatten nur etwa 5 Prozent meiner Teilnehmer, das Talent eine wirklich gute Website selbst zu erstellen.
Zugegeben – mittlerweile gibt es viele Systeme, die einem das Design durch Gestaltungsvorlagen abnehmen. Das sieht dann zumindest optisch schon viel besser aus. Technisch muss man sich dann aber erstmal mit diesem System auskennen. Machbar, aber zeitintensiv.

3. Ein Ziel, aber kein Konzept

Als Bauherr kauft man auch nicht mal im Baumarkt Ziegel und Zement, um dann mal drauflos zu bauen, weil es Ihr Ziel ist ein Haus zu bauen.

  • Konkretisieren Sie Ihr Ziel genauer.
  • Was wollen Sie wann mit der Website erreicht haben?
  • Wen möchten Sie erreichen?
  • Wer ist Ihre Zielgruppe?
  • Wieviel mehr an Umsatz, wieviele neue Kunden möchten Sie generieren und
  • wieviel Geld sind sie bereit auszugeben, um über Werbung diese Ziele zu erreichen?

4. Falsche Wahl der Internet-Adresse

Zugegeben, heute hat man nicht mehr so eine große Auswahl an Adressen, weil schon viele Namen vergeben sind – besonders die kurzen.
Trotzdem möchte ich Ihnen folgendes ans Herz legen:
Wenn Sie neu im Geschäft sind, nehmen Sie bitte keinen Domain-Namen mit Ihrem Namen (es sei denn Sie machen einen Blog). Wählen Sie einen Begriff der Ihre Tätigkeit beschreibt, am besten noch mit dem Ortsnamen als Zusatz (es sei denn Sie beabsichtigen umzuziehen – dann macht das natürlich keinen Sinn).

5. Es soll natürlich ein Content-Management-System wie WordPress, Joomla, Drupal oder Typo3 sein

Sie haben sich also dazu entschieden, nun auch eine Website zu betreiben und möchten den Inhalt natürlich auch selbst editieren können.
Das wollen fast alle – auch meine Kunden.
Doch was zeigt die Erfahrung? Trotz Schulung, Handbuch und einem leicht zu bedienenden System, bleibt die Content-Pflege auf der Strecke. Möchte man (der Kunde) dann doch etwas ändern, ist die Schulung längst vergessen und das Handbuch nicht zu finden. Also wird der Programmierer kontaktiert, weil man keine Zeit hat, sich wieder einzuarbeiten.

Daher überprüfen Sie bitte ganz genau, ob ein CMS für Sie wirklich notwendig ist. Eine normale Seite ist vom Programmierer schnell erzeugt (auch wenn ein CMS mittlerweile genauso zügig am Start ist), kostet dadurch womöglich weniger und ist vom Browser deutlich schneller geladen als ein CMS. Und das mag Google.
Außerdem haben Sie keine Probleme mit Sicherheitsupdates, die WordPress und Co. regelmäßig benötigen, um nicht von Hackern mit Malware verseucht zu werden.

6. Rechtliches wird nicht beachtet

Mittlerweile ist jedem bewusst, dass man als Website-Besitzer ein Impressum benötigt. Dafür gibt es auch Generatoren, die einem dabei helfen:
http://www.e-recht24.de/

Und für eine Datenschutzerklärung:
http://www.datenschutz-generator.de/

Wer jedoch Google-Analytics im Einsatz hat (wie der Großteil der Sites), muss noch die Bedingungen ausdrucken, unterschreiben und an Google schicken!
https://static.googleusercontent.com/media/www.google.com/de//analytics/terms/de.pdf

Dann kann es vorkommen, dass auf der Website Bildmaterial eingesetzt wird, welches aus Bildkatalogen geladen worden ist (pixelio.de, fotolia.de, flickr.com usw.). Hier muss mindestens im Impressum auf diese Quelle und den Urheber/Fotografen hingewiesen werden. Am besten macht man das direkt auf der Seite, wo auch das Bild benutzt wird. Einfach direkt unter das Bild oder am Ende des Artikels.

7. SEO kommt zum Schluss – bitte nicht

Der letzte Punkt ist eigentlich der wichtigste. Nachdem der Inhalt, das Design, die Navigation und die Programmierung fertig ist, soll alles natürlich noch bei Google gefunden werden.
Erst jetzt werden die Kriterien aufgerollt, die Google wichtig sind.
Dabei stellt man fest, dass keine Analyse gemacht worden ist, welche Keywords für die Branche relevant sind. Das bedeutet, dass der Content am Markt vorbei geschrieben worden ist. Die Begriffe in der Navigation decken die Keywords auch nicht ab und die dazugehörigen URLs schon mal gar nicht.

Mit der Software Market-Samurai kann man übrigens sehr gut Keywords analysieren.

Es gibt noch viele andere SEO-Richtlinien, die ich hier zusammengefasst habe, doch das oben beschriebene Szenario kommt sehr häufig vor und ist im Nachhinein nur mit großem Zeitaufwand zu beheben.

8. Usability

Als letztes spreche ich noch die Gebrauchstauglichkeit Ihres Webauftritts an.

Gebrauchstauglichkeit bezeichnet die Eignung einer Sache oder eines Gutes
in Bezug auf seinen Verwendungszweck. Diese Eignung beruht auf objektiv
und nicht objektiv feststellbaren Gebrauchseigenschaften. Da die Beurteilung
der Gebrauchstauglichkeit sich aus den Bedürfnissen ableitet, gibt es
neben einer objektiven Beurteilung auch eine subjektive Beurteilung, die
von Individuum zu Individuum sehr unterschiedlich ausfallen können.
de.wikipedia.org/wiki/Usability

Es gibt ausgefeilte Tests, die man in jeder Phase der Webentwicklung einschieben könnte, doch in den meisten Fällen, ist dafür kein Geld vorhanden. Ich kann also nur empfehlen, einen minimalen Check durchzuführen: Lassen Sie Ihre Website von Personen testen, die Ihre Firma nicht kennen. Geben Sie ihnen eine Aufgabe und beobachten, ob die Aufgabe erfüllt wird. Lassen Sie Ihre Kandidaten laut sprechen, warum sie wohin klicken und was sie vermissen. Damit haben Sie zumindest einen kleinen Eindruck davon, wie ein normaler Besucher Ihrer Site den Inhalt wahrnimmt.

9. Zum Schluss noch etwas

Noch ein weiterer Punkt fällt mir ein, der glücklicherweise immer weniger missachtet wird: Ihre Site soll natürlich auch am Smartphone gut aussehen und entsprechend programmiert worden sein.

Wem fällt noch ein Punkt ein, den man berücksichtigen sollte? Einfach die Kommentar-Funktion dazu benutzen..