Ja, ich bekenne mich schuldig. Auch ich lasse mich hin und wieder von einer indischen Webentwicklungs-Firma bei meiner One-Man-Show unterstützen. Nicht alles kriegt man alleine hin und einen lokalen Experten hinzunehmen, übersteigt meistens das Budget des Kundenauftrags.

Doch wie ist diese Geschäftsbeziehung zustande gekommen?

Wenn ich zurück denke wird mir fast schlecht. Ich hatte damals einen großen Auftrag an Land gezogen, der sich gut mit meinen Kompetenzen deckte. Schnell gab es jedoch weitere Kundenwünsche, die ich mit meinem Wissen nicht abdecken konnte. Ich entschied mich dafür, Hilfe zu suchen. Sollte ja so schwer nicht sein.

Im deutschen Raum fand ich kaum einen Joomla-Profi mit PHP- und MySQL-Kenntnissen, die über das normale Maß hinaus gingen. Und wenn doch, war die Person auf die nächsten Jahre ausgebucht.

Durch Zufall stellte mein Vater, der damals in Kroatien lebte, mir einen IT-Studenten von der Hochschule Split vor. Er sagte mir zu, alle geforderten Dinge liefern zu können. Großartig dachte ich. Tatsächlich wurde das ganze auch technisch umgesetzt, doch so unprofessionell, dass das Joomla-System danach fast nicht mehr anzupassen war.

Ich suchte also weiter.Nein, ich wurde über Xing sogar angeschrieben von einem IT-Studio aus Indien. Was für ein genialer Zufall dachte ich! Ich kommunizierte die Aufgabenstellung. Es sollte kein Problem sein und nur 450,- Euro kosten. Die Hälfte zahlbar vorab über Paypal. Das hörte sich akzeptabel an und der Preis ist genial – so war mein Gedanke.

Eine Woche später erhielt ich eine Mail mit einem Link zur geleisteten Arbeit. Die Einstiegsseite hatte ein Login-Fenster. Ich meldete mich an und bekam prompt eine Fehlermeldung.

Nachdem dies korrigiert worden war und ich mich endlich anmelden konnte, stellte ich fest, dass das System nicht mehr funktionierte. Klicks auf Links verursachten überall Fehlermeldung. Es war komplett versaut.

Das beste zum Schluss – eine Funktion (die wichtigste vom Auftrag) wurde mit dem Hinweis versehen: Can’t make it due complex coding.

Paypal-Käuferschutz funktioniert übrigens nicht bei Dienstleistungen. Das habe ich dadurch auch gelernt.

Am liebsten hätte ich nun alles hingeworfen – doch meinen Kunden wollte ich nicht enttäuschen. Also suchte ich weiter.

Und es kam mir eine Idee. Eine von mir benutzte Komponente für Joomla wurde in den USA von einer Software-Schmiede programmiert. Diese schrieb ich kurzerhand an, ob Sie mir helfen konnten. Kein Problem – und diesmal lief es wirklich!

Doch leider nur ein paar Monate. Irgendwann erhielt ich keine Antworten mehr auf meine Mails. Ich weiß nicht woran es lag. Vermutlich war ich ihnen mit meinen kleinen popeligen Anpassungen nicht lukrativ genug.

Ich stand also wieder im Regen, denn es gab weitere Ergänzungswünsche vom Kunden.

Wie der Zufall es wollte, inspizierte ich den Code von der amerikanischen Firma und stellte fest, dass er in Indien programmiert worden war (der Programmierer hinterließ seinen Namen und Web-Adresse).

Diesen schrieb ich direkt an und seitdem (Sommer 2013) kann ich mich auf eine solide, zuverlässige und vertrauensvolle IT-Firma in Indien verlassen. Die Preise sind zwar nicht die günstigsten, doch dafür funktioniert alles reibungslos..

Wie sind Eure Erfahrung mit outgesourcter Arbeitsleistung?

In meinem Umfeld haben andere Agenturen ähnlich schlechte Erfarungen gemacht. Zum Beispiel mit einer Programmier-Firma in Polen, die zwar nur 8,- Euro die Stunde berechnetete, dafür aber soviel falsch machte, dass der Auftrag fünfmal länger dauerte als erwartet und damit eben auch nicht günstiger war. Von den Nerven mal ganz abgesehen 🙂